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Bruno Jungwirth

Studieren, Beten und viel Fußball

Treffen der ehemaligen Internatsschüler von St. Gerhard in Riedlingen

Das Bad in der Donau war auch damals ein Vergnügen. 

Archiv Eichenlaub 

Die Ehemaligen mit ihren Partnerinnen bei ihrer Führung von Winfried Aßfalg durch Riedlingen. 

Marion Buck 

Die Schüler des Internats im Studierzimmer. 

Archiv Eichenlaub

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Riedlingen/Heiligkreuztal uno 1956/1957 ist das Studienheim St. Gerhard in Riedlingen durch die Redemptoristen eröffnet worden. Nun, 60 Jahre später, gab es ein Wiedersehen der ehemaligen Zöglinge von St. Gerhard. In Heiligkreuztal haben sich 50 von ihnen ein Wochenende getroffen und in alten Zeiten geschwelgt.

Einer von ihnen ist Dr. Klaus Eichenlaub aus der Pfalz. Eichenlaub kam 1963 nach Riedlingen und blieb bis zur zehnten Klasse im Internat. 1969 hat er die Donaustadt wieder verlassen. Auch wenn er damit nur sechs Jahre seines Lebens in Riedlingen verbracht hat, es waren prägende Jahre, sagt er. Und: „Es war eine wundervolle Zeit.“

Aber auch eine „harte Zeit“. Die Regeln im Internat waren streng, die Zeit eng getaktet. Viel Freizeit gab es nicht. Morgens marschierten die „Schleimer“, wie sie in der Stadt von Mitschülern als Abkürzung für „Studienheimer“ genannt wurden, in das Riedlinger Gymnasium. Nachmittags wurde mit den Patres gepaukt, Studieren stand auf dem Programm. Aber: Es wurde auch jeden Nachmittag Sport gemacht, viel Fußball gespielt, wie sich Eichenlaub erinnert. Und natürlich wurde viel gebetet. „Chillen gab’s damals nicht“, sagt er heute.

Die Regeln der Patres waren streng, die Strafen aus heutiger Sicht hart. Auch den Stock haben die Studienheimer beim Übertreten der Regeln gespürt. So war etwa das heimliche Hören am Transistorradio im Bett streng verboten. Wer erwischt wurde, wusste was ihn erwartet. Aber für Eichenlaub war das kein Problem: „Ich habe mich nie ungerecht behandelt gefühlt“, sagt er. Denn er kannte ja die Regeln und kannte auch die Strafen, die warten, wenn er diese übertritt.

Diese sechs Jahre haben ihm entscheidende Impulse gegeben, sagt Eichenlaub heute. In dieser Zeit hat er die Musik entdeckt, die ihn sein Leben lang begleitet hat. Bei Paul Tress habe er Geige gelernt, erzählt er. Dass er später im Nebenfach Musik studiert hat und später nicht nur als Lehrer und Schulleiter, sondern fünf Jahre als Geschäftsführer des Landesmusikrats tätig war, hat viel damit zu tun. Zudem habe er in Riedlingen seine Liebe zum Barock entdeckt, sagt Eichenlaub. Er schwärmt immer noch von den Ausflügen an den Federsee, auf den Bussen, nach Zwiefalten oder dem Baden im kleinen Weiher im Eichenwäldle. Aber auch die Fasnet hat er hier kennengelernt. Wie so manch anderer Studienheimer. So haben die St. Gerhard-Zöglinge über 20 Jahre den Fanfarenzug gestellt.

Trotz der Fasnet, die auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Riedlingen positiv verbindet, mit seinen Erfahrungen steht Eichlaub im Gegensatz zu Kretschmann, der keine allzu guten Erinnerungen an das Internat hat und dies auch öffentlich kund getan hat. „Da müsste man einiges zurecht rücken“, sagt Eichenlaub über diese Aussagen Kretschmanns, der eine Jahrgangsstufe hinter ihm zur Schule ging. Aber schon damals habe sich das politische Talent von Kretschmann angedeutet, erzählt Eichenlaub. „Er war ein Organisator und war Sprecher“.

Hammerflügel-Konzert

Dennoch: Kretschmann war in Heiligkreuztal nicht dabei, dafür aber etliche andere ehemalige Studienheimer aus der ganzen Republik. In diesen drei Tagen, die von Eichhorn organisiert worden waren, tauschten sie Erinnerungen aus – auch anhand vieler alter Bilder. Aber sie entdeckten auch das aktuelle Riedlingen. So erhielten sie eine Stadtführung durch Winfried Aßfalg und ein Konzert auf dem Hammerflügel in der Städtischen Galerie zum Hl. Geist.

Das Internat St. Gerhard durch die Redemptoristen ist längst Geschichte. 1983 wurde das Studienheim geschlossen. Die Patres haben Riedlingen 2005 verlassen. Und doch ist etwas geblieben – viele Erinnerungen bei den Ehemaligen, deren Leben ohne dieses Internat anders verlaufen wäre.

aus „Briefe an unsere Freunde“, 70. Jahr; Nr. 2; April 2020; B7672

Primiz 1964
Als Präfekt Nachfolger von P. Fuchs war P. Emmeran Trägler bei seinen Juvenisten sehr beliebt, hier bei einem Theaterstück im Festsaal von St. Gerhard